Zen und die Kunst der Videospiele – oder was mich die Playstation über das Leben gelehrt hat

Am Sonntag kam die Playstation3 aus dem Schrank heraus. Ja ich weiss, die 4er ist cooler, aber wer bin ich – Donald Trump? Ich hatte mich lange darauf gefreut, endlich mal wieder einen halben Tag Zeit zu haben um mich so richtig in einem Videospiel zu verlieren.

Zen und die Kunst der Videospiele
 
Bei dem Spiel das an dem Tag dran war – Motorstorm, für die Gamer unter euch – war ich schon fast durch. An dem Wochenende kam jetzt das letzte, das finale, das ultimative Rennen dran. Ich pflanzte mich auf die Couch und legte los. Und es war schwer. Es war verdammt schwer. Gut, sowas erwartet man bei der allerletzten Runde. Aber nicht so extrem! Einen kleinen Fehler, einmal die Kurve nicht perfekt genommen, einmal einen Baum schief angeschaut und schon war der Sieg weg. Mein so chilliger Sonntag wurde sehr schnell sehr nervig. Selbst wenn ich alles richtig machte und fuhr wie ein junger Gott würde mir so ein anderer Depp von Fahrer mir in den Weg kommen und mich eine halbe Sekunde kosten. Ich flog wieder als zweiter oder dritter über die Ziellinie. Mein Sonntag ging schneller den Bach runter als der kleine Moses in seinem Schilfkörbchen.

Prinzessinnen Momente

Ich war kurz davor war in einem Prinzessinnenanfall den Controller in die Ecke zu schmeissen (was ich ungern tue, denn dann muss ich danach ganz unprinzessinnenhaft fluchend von der Couch aufstehen und ihn wiederholen). Dann kam mir der Gedanke: Was mache ich hier eigentlich! Ich habe mich darauf gefreut endlich richtig abschalten zu können und einfach zu spielen. Und jetzt? Ich zicke rum wie eine Prinzessin auf zu vielen Hülsenfrüchten weil ich nicht weiter komme und diese olle Trophäe nicht kriege? Ja und selbst wenn ich’s jetzt schaffe? Ich beginne dann ein neues Spiel und ärgere ich mich wieder so lange bis ich es geschafft habe ein bisschen weiter zu kommen!

Dann dachte ich: „Nein weisst du was du Held? Du lehnst dich jetzt ganz ruhig zurück, und du spielst. Egal ob du verlierst. Du fährst einfach und geniesst es. Vergiss doch das ganze gewinnen – wenn du gewinnst fängst du ja eh wieder von vorne an. Also chill mal!”

Irgendwann fuhr ich durch’s Ziel und… Engelstrompeten, Halleluja’s, Feuerwerk! Ich hatte gewonnen und hab’s gar nicht mitgekriegt. Ich hatte einfach nur Spass.

Ok das war jetzt eine lange, und sehr geekige Geschichte, wie ich einen Nachmittag lang Playstation spielte. Ja, aber ich hab ja nicht nur gespielt! Ich hab das Spiel DURCH gespielt! Ich hab’s fertig gekriegt! Das muss ja mal einen Blog-Post wert sein, oder?! Aber da war auch eine Lektion dabei.

Zen und Videospiele

Mir fiel auf, wie wahr das eigentlich für alles im Leben ist. Wir stressen uns irgendwo rein, um ein Ziel zu erreichen. Und kaum haben wir es erreicht, stressen wir weiter weil wir schon wieder das nächste Ziel vor Augen haben. Und der ganze Stress nur um dieses flüchtige Gefühl zu bekommen, etwas erreicht zu haben.

Wie wäre es statt dessen denn, einfach mal den Prozess zu geniessen, anstatt nur auf die fliegenden Sektkorken am Ende hin zu arbeiten? Wie wäre es denn, zu arbeiten – nicht, weil man das Projekt fertig haben will – sondern einfach nur, weil man die Arbeit gerne macht? Wie wäre es, ein Buch zu schreiben, nicht weil man das Buch im Bücherladen sehen will, sondern weil man gerne schreibt? Wie wäre es zu lernen, nicht weil man die Prüfung bestehen muss, sondern weil einen das Thema interessiert (oder umgedreht, wenn man’s schon wegen der Prüfung lernen muss, kann man nicht so tun als interessierte es einen?). Wenn ich eine Filmszene animiere, dann freue ich mich nicht mehr auf den Moment in der Zukunft, wenn das Ding im Fernsehen läuft. Ich freue mich über das jetzt, weil ich hier und jetzt gerade animieren kann. Wenn ich diesen Blogbeitrag schreibe, dann nicht, damit ich ihn online stellen kann und sehe wie ihr darauf reagiert – sondern einfach nur, weil ich gerne schreibe.

Wenn wir eine Sache so angehen erinnern wir uns wieder daran, warum wir tun, was wir tag täglich tun. Dass es um den Prozess geht, und nicht um ein Ziel das vielleicht nichtmal greifbar ist.

Und es passiert noch etwas anderes: plötzlich ist egal, ob wir schnell ans Ziel kommen oder nicht. Umwege oder Rückschritte werden irrelevant, solange wir nur weiter „tun“ können. Unwichtig auch, ob das Ergebnis so gut geworden ist wie wir dachten oder hinter den Erwartungen zurückbleibt. Auch egal, ob das Projekt, das Buch, der Film, abgesagt wird, denn darum geht es nicht mehr.

Man, ich möchte nicht wissen wie lange so mancher Bhuddistischer Mönch auf der Spitze eines Berges in Meditation verharren musste um zu lernen, was ich an einem Sonntag Nachmittag vor der Playstation kapiert habe.

Bei was seit ihr mehr am Ergebnis, als am „tun“ interessiert? Und wo muss sich das ändern?


Text ©Michael Herold  Safe Creative #1401030108879
Bild ©Evolution Studios (Hintergrund)

One thought on “Zen und die Kunst der Videospiele – oder was mich die Playstation über das Leben gelehrt hat

  1. Zuerst dachte ich: was will der jetzt mit seinem Videospiel?! Wen interessiert das denn?! Aber du hast die Kurve excellent gekriegt. SUPER. Gefällt mir gut. Mit diesem Thema GAME erreichst du sicher einige die denken: was will mir ein 35jähriger schon erzählen? Der ist ja soooooo alt! Und schwupps…haste die 🙂
    Es sind einige Schreibfehler oder Wort-Verdrehungen drin. Die siehst du sicher selber – wenn nicht sag ich sie dir. Bis bald mal wieder Großer!

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