Warum ihr sehr vorsichtig sein solltet was ihr sagt. Oder sogar denkt!

Startet ihr einen Lauschangriff auf euer Gehirn, wenn es denkt, es sei allein? Nein, das ist kein Post über Abhörtechniken oder 1984-Szenarien. Hier geht es um die Macht, die Gedanken über uns haben. Achtet ihr auf eure Gedanken?

Denn wenn nicht, dann schlage ich dringend vor ihr fangt damit an.

Warum ihr sehr vorsichtig sein solltet was ihr sagt. Oder sogar denkt!

Hier ist ein Beispiel:

„Ich muss auf die Arbeit.“

Ich glaube, dieser Satz hat gute Chancen darauf, auf der Top-10 Liste der am meisten gesprochenen Sätze der westlichen Welt zu stehen.

Ich glaube ausserdem, er gehört zu den Sätzen die den meisten Schaden anrichten. Gleich neben „Was macht dieser Knopf?“, „Ich frage mich ob das brennt…“ und „Erschießt den da.“.

Nur in diesem Fall ist es nicht ganz so offensichtlich.

Ich erinnere mich an einem morgen – ich hatte gerade fertig gefrühstückt und dann dem Raum wie an so vielen anderen Tagen auch, bekannt gegeben: „Ok, ich muss auf die Arbeit.“ Vielleicht lag es an der Nervennahrung, aber in dem Moment wurde mir schlagartig klar, wie unglaublich dumm dieser Satz ist.

„Ich muss auf die Arbeit.“ Wirklich? Das war es, was ich dachte? Es gab KEINEN besseren Weg, das auszudrücken?

Ich hatte lange und hart gelernt, um ein Animator zu werden. I hatte noch härter gearbeitet um den unglaublich tollen Job zu bekommen den ich hatte. Ich fühlte mich glücklich, in so einem talentierten Team an solch fantastischen Projekten zu arbeiten. Und was hatte ich dazu zu sagen?
„Ich muss auf die Arbeit.“

Ertappt ihr euch dabei, das gleiche zu machen?

Lasst uns das mal im Detail angucken:

„ich muss“
Wirklich? Hält euch jemand eine Pistole an den Kopf? Fährt das Schiff gegen einen Eisberg wenn ihr’s nicht macht? Das ist es, was „muss“ bedeutet.

Ok, also wenn ihr nicht gerade Millionär oder arbeitslos seit, dann müsst ihr wahrscheinlich wirklich, wenn ihr darauf besteht es so auszudrücken. Aber glaubt ihr nicht auch, dass der Tag ein kleines bisschen besser anfängt, wenn man lernt, das anders auszudrücken?

Wie wäre es mit: „Ich freue mich darauf“, „Ich kann gar nicht abwarten“, „Ich kann nicht glauben, dass ich..“. Sagt das nicht das gleiche aus?

Hebt euch „ich muss“ für den Moment auf, bei dem ihr von der Polizei wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten werdet und einen Organ-Behälter auf dem Beifahrer sitz stehen habt.

„Arbeit“
Dieses Wort bedeutet für mich nichts anderes als das Konzept, Zeit gegen Geld zu tauschen. Beschreibt das wirklich die Situation? Seit ihr wirklich in einer so traurigen Lage?
Hier sind ein paar bessere Beispiele:
„Menschen dabei zu helfen, sich besser zu fühlen“ (für den Fall dass ihr Friseur seit, Fitnesstrainer, oder Kleidung verkauft)
„Kindern zu zeigen, wie sie ihr Bestes geben können“ (für Kindergärtner, Lehrer)
„Kinder zum Lachen bringen“ (das hatte ich für mich verwendet, als ich Cartoons gemacht habe)
Ich gebe zu, dass man sich ein paar verwirrte Blicke einfangen kann wenn man morgens das Müsli zur Seite schiebt und mit vor Stolz geschwollener Brust erklärt:

„Liebling, ich freue mich darauf Kinder zum Lachen zu bringen.“

Vermutlich nicht die gesellschaftlich akzeptierte Form zu erklären, dass man sich nun seinem Broterwerb widmen wird. Zugegebenermassen etwas gewöhnungsbedürftig.

Das war jetzt ein ausschweifendes Beispiel um zu zeigen dass was ihr denkt, und was ihr sagt in zwei Richtungen gehen kann:

1) Ihr könnt die negative Seite in den Vordergrund stellen.

Die beängstigende Sache daran ist, dass das sogar Sinn macht! Denn bei nichts werden sich Menschen schneller einig, als bei zwei Themen: Beim Beschweren – und dem Wetter.

Wenn ihr wollt, dass euch eure Mitmenschen zustimmen – dann nörgelt einfach.

2) Ihr könnt die positive Seite betrachten.

Ok, klar. Es gibt Dinge/Situationen/Menschen, da ist es sehr schwer überhaupt irgendetwas Positives zu finden. Ihr hasst es/sie einfach, und wollt nichts damit zu tun haben.

Nun, entweder ist das dann eben auch der Fall, und das Problem ist gelöst. Applaus.

Oder, von Zeit zu Zeit kommt ihr einfach nicht drum herum damit zu tun zu haben. In diesem Fall gibt es wohl einen guten Grund dafür. Dann schlage ich vor, ihr findet diesen einen guten Grund und konzentriert euch darauf – anstatt auf all das Schlechte.

„Dann habe ich es wenigstens hinter mir.“ könnte der erste Schritt sein (oder der letzte Ausweg) in die Welt der positiven Sichtweise.

Hier kommt jetzt das Interessante:

Unser Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen der Art und Weise wie wir etwas formulieren, und wie uns diesbezüglich fühlen. Auf jeden Fall nicht für lange.

Und genau da setzen wir das strategische Brecheisen an:

Wenn wir die Dinge die wir sagen und denken in einer positiven Einstellung formulieren, dann ändert sich auch unsere Gefühlswelt. Es ist so, als würden wir unsere (negativen) Gefühle zwingen, gegen den Strom zu schwimmen. Das geht eine Zeit lang gut, aber irgendwann bleiben sie zurück. Nicht nach fünf Minuten. Aber nach ein paar Wochen. Es sind hartnäckige Schwimmer.

Hier ist was ich mache:

Auf meinem Smartphone habe ich eine Liste mit Vokabeln. Allerdings geht es mir nicht darum, meinen Wortschatz damit zu vergrössern. Sondern ihn zu verkleinern.

Auf die eine Seite schreibe ich einen Begriff, den ich aus meinem Leben löschen will. Auf die andere Seite kommen ein oder mehrere Wörter, die diesen negativen Begriff von jetzt an ersetzen sollen.

Meistens reicht es schon, das nur aufzuschreiben, um dieses Wort für meinen Kopf mit einem Warnhinweis zu versehen und es nicht mehr zu verwenden. Mitten im Satz zu stoppen und nach einer Alternative zu suchen dauert am Anfang vielleicht mal ein oder zwei Sekunden – aber es lohnt sich.

Ich würde gerne ein paar Beispiele der Worte geben die ich „verlernt“ habe, aber irgendwie kann ich mich gerade an keine erinnern. 🙂

Aus persönlicher Neugierde: In welchen Situationen ertappt ihr euch dabei, negativ zu denken? Welche Vokabeln in eurem Kopf könntet ihr ersetzen?


Text ©Michael Herold  Safe Creative #1401030108879
Bild ©iStock.com/marekuliasz

One thought on “Warum ihr sehr vorsichtig sein solltet was ihr sagt. Oder sogar denkt!

  1. Pingback: Drei Wege glücklicher zu sein – in weniger als einer Minute | Michael Herold

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *