Warum es gut ist, Fehler zu machen

Alles Neue beginnt mit vielen, vielen Fehlern. Sie lassen uns dazu lernen, lassen uns besser werden und die Angst vor Neuem verlieren. Nichts hält uns mehr zurück als zu denken, dass Fehler zu machen etwas schlechtes ist.

Warum es gut ist Fehler zu machen

Es gibt keine Fehler. Nur Erfolg oder Lernen.   Tweet:

Diese Lektion hat mein Denken gehörig umgekrempelt. Ich bin nicht jedes Mal in der Lage sie anzuwenden. Oft versage ich auch dabei. Aber schon vom Denkansatz anders an Sachen heranzugehen ist magisch.

Wenn ich auf Fehler zurück blicke, die ich gemacht habe und Bilanz ziehe zwischen dem, was sie mich gekostet haben – Ärger, Zeit, Geld, etc. – und dem, was ich daraus gelernt habe stelle ich fast immer fest: es war ein Schnäppchen.

Klar, erstmal will man sich in den Hintern für das treten, was man verbockt hat. Ärgert sich, sich so dumm angestellt zu haben. Genauso gut kann man aber denken: “Das habe ich gelernt. Dieser Fehler passiert mir nie wieder.”

Dazu lernen müssen wir eh die ganze Zeit. Warum also nicht mit dieser Einstellung.

Der gute Albert Einstein meinte mal: “Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht.”

Wie oft habe ich tagelang über einem Problem nachgedacht und es hinausgeschoben… und warum? Weil ich Bammel davor hatte, etwas falsch zu machen. Mittlerweile ist mir das egal. Gerade, wenn ich etwas neues angehe. Da lege ich Wert darauf so schnell wie möglich alle Fehler zu machen, die nur möglich sind. Dann habe ich das schon mal abgehakt und der Erfolg kann kommen.

Einfach mal machen

Die Wahrscheinlichkeit, dass es beim ersten Mal schief geht, die ist sowieso immer da. Wie soll es denn auch anders sein – ich fange etwas neues an und soll gleich der Vollprofi sein?

Ich kann jetzt also ganz viel Zeit damit verbringen, etwas von vorne bis hinten zu durchdenken und -planen, und meine Chancen auf Erfolg damit leicht steigern. Verbringe quasi Wochen im geistigen Trainingslager. Oder, ich mache einfach mal. Dann geht’s vielleicht eher schief, aber dafür habe ich genug Zeit über um es wieder und wieder und wieder zu versuchen.

Dabei lerne ich zwei Sachen:

  1. Wenn etwas schief geht, ist es meist bei weitem nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe. Bei den nächsten Versuchen gehe ich also schon mit viel mehr Selbstsicherheit ran.
  2. Ich habe im Nachhinein die Möglichkeit darüber nach zu denken, was ich falsch gemacht habe. Komme ich das nächste Mal in die gleiche Situation, bin ich schlauer. Wahrscheinlich weiss ich dann immer noch nicht, was die richtige Lösung ist. Aber ich kenne schonmal eine falsche.

Um es mit den Worten von Thomas Edison zu sagen: „Ich habe nicht versagt. Ich habe 1000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert“

In einem Töpferkurs hat man mal für ein Experiment zwei Gruppen gebildet. Die einen sollten für die Dauer des Kurses genau eine Vase herstellen. Alle Zeit, Liebe und Detailfreude in diese eine Vase stecken. Die andere Gruppe musste am Ende jedes Treffens ihre gemachte Vase in die Ecke stellen – egal wie sie aussah oder wie weit sie gekommen waren. Die nächste Mal musste wieder eine neue angefangen werden. Wer hatte am Ende des Kurses wohl die besseren Vasen? Die, die in der gleichen Zeit dutzende Vasen gemacht hatten anstatt ihr bestes an einer zu geben.

Für die Profis: das Journal

Wer das ganze beschleunigen will, der sollte ein Journal führen. Das ist eine Art Tagebuch, nur ohne das ganze „Liebes Tagebuch, heute hat er mich angeguckt, ich bin ja so verliebt…” Zeug. Ohne die gekritzelten Herzchen und Kram. Einfach ein Journal eben. Da wird alles reingeschrieben, was man zu einer Sache gelernt hat. Jede Kleinigkeit. Denn gerade Kleinigkeiten vergisst man schnell. Wenn man aus einem Bewerbungsgespräch kommt hat man sicherlich zwanzig Sachen, die man das nächste Mal anders machen möchte. Das ist auch schön und gut, nur am nächsten Tag weiss man nur noch zehn davon.

Fehler sind nur so gut, wie die Lektionen, die man daraus lernt.   Tweet:

Einhundert mal „Nein“

Ein Freund von mir hat ein geniales Projekt durchgezogen. Er nannte es „100 Days Rejection“ – 100 Tage der Ablehnung. Es war immer furchtbar für ihn, wenn er auf Ablehnung stiess. Er hatte absolute Panik davor. Also war seine Idee, sich ganz bewusst mit der Idee anzufreunden, “Nein” gesagt zu bekommen. Es so oft darauf ankommen zu lassen, bis es ihm irgendwann egal war. Jia machte 100 Tage lang die ausgefallensten Experimente, nur um damit auf die Nase zu fallen und stellte alles auf youtube: z.B. wie er an einer fremden Haustüre klingelte um zu fragen ob er im Garten Fussball spielen kann. Am Flugplatz einen Gyrokopter-Piloten zu fragen, ob er auch mal fliegen darf. Oder seinen PC zur Reparatur zum Apple Store zu bringen.

Mal davon abgesehen, dass es ihm schon nach ein paar Tagen gar nichts mehr aus machte war ein anderes Resultat, dass er selbst mit den ausgefallensten Dingen oft gar kein „Nein“ bekam.

Ich könnte diesen Beitrag jetzt noch ein dutzend Mal durchlesen, immer wieder umschreiben. Oder einfach online stellen und den nächsten schreiben. Also los.

Wo würdet ihr gerne mehr Fehler machen, um besser zu werden? Wo hättet ihr gerne keinen Bammel mehr davor, Fehler zu machen?

 

Text ©Michael Herold  Safe Creative #1401030108879
Bild ©unbekannt

2 thoughts on “Warum es gut ist, Fehler zu machen

  1. … hmm, wenn ich den Hinweis auf den Bildautor des oben verwendeten Bildmotivs sehe: „Copyright unbekannt“…
    Es ist ein Bildmotiv eines bekannten deutschen Autokonzerns, der damit die Beschleunigungswerte seines neuen Automodells bildlich darstellen wollte.
    Ich glaub das Bildmotiv wurde nicht in Deutschland, sondern in der EU-Werbung verwendet und das dürfte so um die 5 bis 10 Jahre her sein!

    • Danke, das ist gut zu wissen. Ich hatte das Bild immer auf zahlreichen Wallpaper-Seiten gefunden, aber nie mit Quellenangaben die über „unbekannt“ hinausgingen (ausser, sie haben gleich ihre eigenes Copyright drauf gepackt). Jetzt weiss ich, wo ich recherchieren muss…

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