Von Helden und Waschlappen. Ein Aufruf.

Je mehr ich in meiner Arbeit und meinem privaten Umfeld mit Menschen mit Behinderung in Kontakt komme, desto offensichtlicher wird es für mich, wie es zwei grosse Lager gibt: die, die alle Grenzen sprengen und die, die nichts gebacken bekommen. Eine neutrale Zone dazwischen gibt es, aber die Extreme sind sehr offensichtlich.

Of Heroes and Cry Babies

Der eine Teil dieser Menschen schreibt Bücher, bereist die Welt, entwickelt Programme und Kampagnen um die Welt zu verbessern, geht raus ins Leben und zeigt selbst Nichtbehinderten, was alles geht wenn man nur will. Die gründen Familien, Unternehmen, haben einen grossen Freundeskreis und legen manchmal eine Gesundheit an den Tag (von der eigentlichen Behinderung abgesehen) die so jeden Biobauern neidisch werden lässt.

Der andere Teil sitzt zu Hause und heult, weil ja alles so schwer im Leben ist und keine Glücksfee auftaucht um ihnen das perfekte Leben auf einem goldenen Teller zu servieren. Diese dumme Tussi kommt einfach nicht bei, und so lange die ihre verdammte Arbeit nicht macht, bleibt man selbst auch mit grimmiger Mine in der Ecke sitzen. „Kann ja wohl nichts dafür, dass ich behindert bin. Soll die Welt doch mal diese Inklusion in die Gänge bringen. Und bei Gelegenheit dieser dummen Glücksfee sagen, dass ich jetzt schon seit Jahren zu Hause sitze und warte. Die soll endlich mal in die Gänge kommen. Ich will auch mal was erleben.”

Die beiden Gruppen zu unterscheiden ist ganz einfach:

Die einen fragen:
„Was muss ich tun?“

und die anderen:
„Wem gebe ich die Schuld?”

Ich versuche jetzt schon seit einiger Zeit, heraus zu finden was den Unterschied in diesen beiden Gruppen hervor ruft. Die Erziehung? Umfeld? Intelligenz? Gibt es vielleicht ein Helden- bzw. ein Waschlappen-Gen mit dem man geboren wird? Ich komme auf keinen Nenner. Keine Ahnung. Null Plan. Alles hat wohl einen gewissen Einfluss darauf. Aber das letzte was ich hier tun will, ist der Waschlappen Fraktion auch noch Ausreden zu servieren.

“Ha! Meine Erziehung ist schuld daran! Da haben wir’s! Die haben das also verbockt.”

In meinen Vorträgen erkläre ich oft das Wichtigste, das ich in meinem Leben gelernt habe:

Ich muss für alles in meinem Leben die volle Verantwortung übernehmen.   Tweet: Von Helden und Waschlappen @MichaHerold:
Es ist sehr leicht anderen Personen oder Situationen die Schuld für etwas zu geben, und dann darauf zu warten, dass sich etwas ändert. Überraschung: da könnt ihr lange warten.

Versteht mich nicht falsch – bei vielen Dingen kann man wirklich selber nichts dafür. Aber: die Verantwortung dafür, die müssen wir trotzdem übernehmen. Die Verantwortung dafür, was wir jetzt daraus machen, und wie wir von jetzt an damit umgehen.

Fragen wir: Was muss ich machen?
Oder fragen wir: Wem gebe ich die Schuld?

Das macht den Helden aus.

Wo in eurem Leben müsst ihr anfangen, die Verantwortung zu übernehmen?

 

Text ©Michael Herold  Safe Creative #1401030108879
Bild ©iStock.com/stokkete

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