Alles was wir je besitzen werden

Hier ist eine Erkenntnis die ich vor kurzem hatte als ich morgens in der Sonne sass. Ich habe keine Ahnung ob ich’s hinkriege das richtig zu erklären, aber ich lasse euch das entscheiden.

Alles was wir je besitzen werden

Ich war auf meiner üblichen Reiseroute zur Arbeit: zwei U-Bahnen und nerviges Warten auf barrierefreie Züge. Es ist immer eine lästige Tour und wie sonst auch war ich auch diesmal wieder zu spät dran. Nichts neues. Ausser dass ich diesmal, als ich umsteigen musste, beschlossen habe aus der U-Bahn Station raus zu rollern und dort in einem Park für ein paar Minuten in der Sonne zu sitzen. Bevor ich dann den ganzen restlichen Tag am Schreibtisch sitze.

Als ich da sass und den Moment der Ruhe genoss, dachte ich so darüber nach was mir meine Zukunft wohl so bringen würde. Was wird aus meinen Träumen? Was für grosse Dinge bringen die nächsten Jahre?

Und dann wurde mir plötzlich klar: alles was ich jemals in meinem Leben haben werde wird genau so sein wie das, was ich gerade jetzt habe: ein kurzer Moment in der Gegenwart. Das ist alles was mein Leben je sein wird, all das Glück, dass es mir jemals bringen wird. Egal ob bettelarm oder super reich. Egal ob in einer grossen Familie oder alleine. Alles was ich jemals haben werde, sind die vielen vielen Momente in denen ich bin.

Da macht es keinen Unterschied ob ich eine Villa auf meiner eigenen Insel in der Südsee und einen Privatjet habe, oder ob ich unter eine Brücke lebe und eine Dose alter Bohnen mit den anderen Brückenunterwohnern teile. In beiden Fällen habe ich einzig und allein den Moment in der Gegenwart.

Und eine Wahl.

Eine Wahl, in dem Moment gegenwärtig zu sein, oder in Gedanken in die Vergangenheit oder die Zukunft zu driften, in Sorgen und Hoffnungen verloren zu gehen. Diesen kostbaren Moment weg zu geben für Dinge die waren oder sein könnten.

Das ist der grosse Gleichsteller. Das eine Geschenk, dass wir alle haben. Und was für ein Geschenk es sein könnte.
 

Schöne Momente sind so wertvoll für uns weil sie so selten zu sein scheinen

Aber das sollte nicht so sein! Wir sind so in der täglichen Rackerei gefangen, dabei auf die Arbeit zu hetzen und dann heim zu stürzen, damit Rechnungen zu bezahlen und uns Sorgen zu machen und Pläne zu schmieden, nachzudenken und zu taktieren über alles ausser dem jetzt.

Denkt mal drüber nach. Wann war das letzte Mal, als ihr vollständig in der Gegenwart wart? Vielleicht im Urlaub vor ein paar Monaten, als ihr nur am Strand gelegen seit und nichts gemacht habt. Oder an diesem Nachmittag im Sommer beim Grillen, als nichts wichtiger war als die Familie und Freunde um euch herum. Oder als euch euer Partner zu diesem Musical geschleift hat und ihr nichts anderes zu tun hattet als die Show zu geniessen.

Diese Momente sind so selten und so weit ausseinander, dass wir sie im Kalender markieren können. Wenn wir dann am Jahresende drüber schauen, können wir sie an den Fingern einer Hand abzählen.

Das ist so traurig. Denn dieser jetzige Moment – genau jetzt – da ist es, dass das Leben passiert.

Das soll nicht heissen, dass wir jetzt alle unsere weltlichen Belange hinter uns lassen und uns nicht mehr mit Arbeit und täglichen Rechnungen abgeben sollten. Denkt einfach daran, dass was immer ihr gerade tut – das ist es. Das ist euer Leben. Wenn ihr euch bewusst machen könnt, dass dieser eine Moment alles ist was ihr im Leben habt – dann seit ihr reicher als die reichsten Menschen der Welt mit all ihren Villen und Yachten die nie den Moment geniessen.
 

Was mache ich jetzt aus all dem?

Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Aber bis es soweit ist mache ich folgendes:

So oft ich am Tag daran denke, erinnere ich mich daran, dass das jetzt alles ist was ich habe. Alles, was ich jemals haben werde. Ich kann es also entweder weg werfen indem ich die Vergangenheit bereue oder die Zukunft plane. Oder ich kann es geniessen und ganz meins machen. Ob ich jetzt in einer Besprechung sitze oder in der Sonne, ob ich Rechnungen bezahle oder ein Eis esse, ob ich Wäsche wasche oder mich mit meinen Freunden treffe.

Ja, es gibt Zeiten wenn es notwendig wird über Vergangenheit und Zukunft nachzudenken. Das ist ein Teil unseres täglichen Lebens und notwendig. Aber wir können das bewusst tun – und nicht, weil unser Kopf auf Autopilot geschalten hat weil er nicht weiss was er tun soll.

Ich entscheide mich zu geniessen was auch immer ich tue. Weil das alles ist was jemals sein wird. Und ich erkenne, wie reich ich genau deshalb bin.

 

Text ©Michael Herold  Safe Creative #1401030108879
Bild ©depositphotos.com/gustavofrazao

4 thoughts on “Alles was wir je besitzen werden

  1. Hallo Mchael,
    ich habs verstanden, aber immer wieder das Gefuehl, dass Menschen erst merken muessen wie schnell das Leben vorbei sein kann um das HIER UND JETZT spueren und geniessen zu koennen….es ist irgendwie traurig, denn wie schoen es sein KOENNTE wollen viele garnicht verstehen….

    Ich kann es verstehen, habe aber auch Tiefen in meinem Leben durchlaufen (muessen), um an den heutigen Verstand zu kommen und LIEBE IHN HEUTE NUN UMSO MEHR 🙂

    • Ich hatte mal von einer Studie gelesen, bei der alte Menschen nach ihrer Zufriedenheit mit ihrem Leben gefragt wurden. Die, die am meisten zufrieden damit waren waren die, die sowohl tiefe Tiefen als auch hohe Höhen gehabt haben. Die, die immer im Mittelmass der Unproblematik gelebt haben, waren bei weitem nicht so zufrieden. Also: lieber die Wellen surfen, als am Strand liegen!

  2. Hallo Michael,
    ich habe es ehrlichgesagt nicht verstanden.
    Ich verstehe es INTELLEKTUELL, ja, aber nicht mit dem Herzen.
    Du bist ja nicht der erste, der diese Erkenntnis WAHRLICH zu haben scheint und zu BEGREIFEN.
    Ich ringe seit Jahren darum, aber es will nicht „rutschen“.
    Ich bin seit ebenfalls Jahren süchtig.
    Mein Handicap. Und das bringt mich an den Rand der Verzweiflung.
    Es ist doch nicht egal, ob ich „menschenwürdig“ lebe oder, wie Du schreibst, mit einer Dose Bohnen unter einer Brücke.
    Hauptsache gegenwärtig.
    Ich sehe, glaube ich, wohl mehr oder weniger die Heilsamekeit des Moments, aber die Umstände sind doch nicht egal…..
    Ich empfinde meine Situation als hochgradig verzweifelt und merke wohl irgendwie, dass „Heilung“- wie immer sie aussehen mag, viel mit dem zu tun hat, was Du Gegenwärtigkeit nennst.
    Den Weg dahin finde ich anscheinend nicht.
    Lese Deinem Blog weiter, vielleicht springt der Funke ja über…..
    Gruß Anna

    • Nun ja, ich bin dennoch froh einen Blog zu haben auf dem ich solche Erkenntnisse festhalten kann – am meisten für mich selbst. Denn so gross so eine Erkenntnis auch ist oder war, es ist doch wirklich verzwickt wie schnell da der Alltag wieder dazwischen rauscht. Deshalb auch ein Danke an dich, dass du mich wieder an meine eigene Erkenntnis erinnert hast!

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