4 Gründe warum meine Behinderung es mir einfacher macht, meine Ziele zu erreichen

Ich habe wohl eine ungewöhnliche Sicht auf meine Behinderung. Ich vergesse das immer wieder, bis ich mal wieder etwas von mir gebe und mein Umfeld mich mit grossen Augen anguckt. Dann fällt mir wieder ein, dass ich ein bisschen anders denke als der Rest der Welt.

4 reasons my disability makes it easier for me to reach my goals

Wenn es um meine Ziele geht habe ich einiges an Erkenntnissen hinter mir. Die längste Zeit meines Lebens dachte ich, dass meine Behinderung mir immer im Weg stehen wird. Dann habe ich gesehen, dass vieles in die Realität umgesetzt werden kann wenn ich nur die richtige Denkweise habe. Damit hatte ich dann so viel Erfolg, dass ich irgendwann mutwillig nach etwas gesucht habe, das ich wirklich nicht kann. Jetzt bin ich wieder eine Erkenntnis weiter:

Ich glaube mittlerweile, dass es mir meine Behinderung einfacher macht, meine Ziele zu erreichen.   Tweet:

Nein, damit meine ich jetzt nicht Mitleid oder Hilfeleistungen. Was ich meine ist: all das was ich lernen musste um mit meiner Behinderung umgehen zu können, ist jetzt mehr als hilfreich wenn es darum geht meine Ziele zu verfolgen.

Lasst mich erklären:

Hier sind 4 Gründe, warum mich meine Behinderung meinen Zielen näher bringt:

  1. Meine Behinderung hat mich gelehrt, zu träumen
  2. Gut, alle Menschen träumen. Keine Frage. Aber ich glaube, dass Menschen mit Behinderung sehr viel stärker in ihren Träumen stehen. Wir lernen das Prinzip Traum sehr früh kennen. Seit ich ein kleines Kind war und erkannt habe, dass ich “schneller, stärker, mehr” sein könnte als ich war, war ich täglich am träumen. Mein Umfeld hat mir ja genug Auswahl an Wünschen gegeben, wenn ich gesehen habe wie meine Freunde all das taten was ich nicht konnte. Im Träumen bin ich seit Kindertagen Profi. Meine Träume sind so konkret und solide, da kann man Schlösser drauf bauen. Das sind keine halbherzigen Möchtegern Träume. Alles durch jahrelange Erfahrung in dem Gebiet.

    “Ein Ziel ist ein Traum mit einer Frist”, hat Napoleon Hill mal geschrieben. Wenn der erste Bauteil eines Ziels also ein Traum ist, wer steht dann besser im Ziele machen da als ein Vollprofi im Träumen?

  3. Meine Behinderung drängt mich voran
  4. Wenig ist schädlicher für ein Ziel als die Möglichkeit sagen zu können: “das mache ich nächstes Jahr”. Deshalb werden so viele Menschen mit unerfüllten Träumen begraben, anstatt mit erreichten Zielen.

    Und da kommt meine Muskelerkrankung ins Spiel – anstatt sich die Ausreden anzuhören und alles ein Jahr aufzuschieben, ruft sie mir ins Gesicht: “Hast du was an der Waffel?! Wir haben keine Zeit zu Warten. Wir müssen das jetzt machen, wer weiss ob wir’s in einem Jahr überhaupt noch können”.

  5. Behindert zu sein lehrt Problemlösung für Fortgeschrittene
  6. Ich habe so ausgefallene, komische und Michael-typische Probleme, die hat kein anderer. Wer mich schonmal ein Telefonbuch ins Kino hat tragen sehen, gesehen hat wie ich mit dem Nussknacker eine Wasserflasche aufmache, sich gewundert hat warum ich einen dicken Liebesroman (der ausgerechnet in holländischen geschrieben ist) mit ins Flugzeug nehme, oder warum ich selbst im Winter ein Schweissband am Ellenbogen trage, weiss wie ausgefallen meine Lösungen manchmal sein können. Weil selten jemand die gleichen Probleme hat wie ich und niemand einschätzen kann welche Lösung für mich am besten ist, muss ich mich meistens selbst darum kümmern.

    Und warum die Fähigkeit, selbstständig ungewöhnliche Probleme kreativ zu lösen nützlich ist, wenn man seine Ziele erreichen will – ich glaube das erklärt sich von selbst.

  7. Hallo Bitte Danke
  8. Zu Guter letzt habe ich früh lernen müssen, andere Menschen um Hilfe zu fragen. Manch einer mag sich bei so etwas schwer tun, und da gehörte ich auch lange dazu. Mit einer Behinderung kann man sich das aber nicht leisten. Man – oder zumindest ich – kommt oft in Situationen, wo es einfach keine andere Möglichkeit gibt als jemand fremden um Hilfe zu bitten. Man lernt hier sehr schnell über seinen Schatten zu springen.

    In der Lage zu sein, andere Menschen um Hilfe zu bitten – das ist extrem nützlich, wenn man hinter Zielen her ist.


Meine Muskelerkrankung hat mich dazu gezwungen, all diese Dinge früh zu lernen. Ohne sie könnte ich das meiste davon wohl nicht, oder zumindest nicht so gut.

Welcher vermeintliche “Nachteil” hat in eurem Leben zu Positivem geführt?


Text ©Michael Herold  Safe Creative #1401030108879
Bild ©Natalie Dee

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